Refugium


Moritz

Wenn Sie wissen wollen, wie ich denke, dann lesen Sie meinen Text zu meiner Installation nochmal.

Ohne Titel

Als im Unterricht das Thema für die Kunstausstellung am Ende unserer Oberstufenzeit bekanntgegeben wurde, musste ich erstmal eine Zeit darüber nachdenken. REFUGIUM – was bedeutet das eigentlich? Im Duden steht, dass dieser Begriff aus dem Lateinischen stammt und mit „Zufluchtsort“ übersetzt werden kann. Diese Definition hat mir noch nicht gereicht, so dass ich tiefgründiger recherchierte. Es musste doch herauszufinden sein, was mein Refugium ist. Nur ein Zufluchtsort – NEIN – für mich ist es Freiheit, Individualismus, Selbstakzeptanz und Angstlosigkeit. Doch je mehr ich über mein Refugium nachgedacht habe, kam es mir so vor, als wäre ich noch nicht in meinem Refugium. Ich weiß was, es für mich ist, aber ich habe noch nicht zu ihm gefunden. Je mehr Zeit ich mit diesem Thema verbrachte, desto mehr stellte ich fest, dass ich noch nicht in meinem Refugium angekommen bin. Auf der Suche nach dem "Warum" kam mir immer wieder unser Schulsystem in den Sinn. Vielleicht ist es ja der Grund, warum ich noch nicht in meinem Refugium angekommen bin. Die Schule soll uns auf unsere Zukunft vorbereiten, uns Wissen vermitteln und die Individualität jedes einzelnen Schülers fördern. Doch tut sie das auch? Ich denke nicht ganz. Wenn es darum geht, Wissen zu vermitteln, ist das Schulsystem fast perfekt. Wenn es aber um die Individualität des Schülers und es damit für mich zusammenhängende „Refugium“ geht, hat das System ganz klar versagt. Das Prinzip der Schule ist nicht mehr die Förderung des Einzelnen, sondern das Erschaffen von Arbeitern, die ins System passen, getreu dem Motto: schneller, effizienter und billiger. Es formt den Schüler in ein farbloses, kaltes Wesen und erstickt somit jegliche Ansätze vom Wissen über Selbstverwirklichung und das Gefühl von Freiheit im Keim. Das System lässt es kaum zu, sich selbst zu akzeptieren, da es nicht gelehrt wurde, wie man das erreicht. Zur Darstellung dieses Missstandes habe ich überlegt, was diesem Prozess des Durchlaufens der Schüler durch das Schulsystem ähnelt? Schnell fiel mir das Leiden von Menschen ein, die an einem Galgen hängen. So entstand die Idee meiner Installation: Ein Strick, auf dem das Wort „SCHULSYSTEM“ angebracht ist, hängt ein Objekt mit der Aufschrift „REFUGIUM“ auf. Dies soll veranschaulichen, wie das Refugium der Schüler qualvoll zu Tode gerichtet wird, ohne eine Chance, zu überleben. Das Schulsystem als Henker des Individualismus des Schülers. Die Installation habe ich direkt im Aufgang angebracht, damit jeder, der die Schule betritt, sieht, was eigentlich in Schulen passiert. Dazu hängt sie im schönsten Bereich des Hauses, was nochmals den Kontrast zwischen dem, was gewollt ist und dem, was in Wirklichkeit passiert, verdeutlicht. Die gesamte Installation ist schlicht gehalten, um für jeden Einzelnen Platz zu lassen, selbst zu definieren, was das jeweilige Refugium für ihn ist. Allgemein versuche ich durch diese Installation den Betrachtern auch zu zeigen, dass es nicht schlimm ist, nicht in die Normen des Schulsystems zu passen. Ganz im Gegenteil! Ich möchte zeigen, dass jeder Einzelne durchaus das Potential hat, sich selbst zu verwirklichen und auch ein Schul - Leben ohne Sorgen führen zu können. Wie ernst man das Symbol liest, bleibt dem Rezipienten überlassen.